Geschützt: Den ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag…
Montag, 30. Januar 2012 um 10:24 von KeTags: 2011| Denkendorf| Eichstätt| Weihnachten
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… von Eichstätt hat nichts mit der barocken Pracht der Kirchen, den fröhlichen Festen, oder den Touristengrüppchen zu tun, die mit Ihren Rädern die Stadt verstopfen.

Das zweite Gesicht zeigt sich nur in stillen Winkeln, vergessenen Pfaden und spiegelt sich in den Fenstern verfallender Häuser wieder, die wie wacklige Zahnstummel im Gebiss einer etwas überschminkten alten Dame vorwitzig hervorlugen.
Die Fotos zeigen einen Teil meiner persönlichen Nostalgietour durch das Städtchen meiner Kindheit. Oben in der Mitte ist der Eingang des schon lange geschlossenen Kinos zu sehen. Hier gab’s zu “König der Löwen” und “Ariel die Meerjungfrau” Gummibärchen und Eis - und charmante kleine Tischchen mit Schirmlampe an jedem Platz.
… mich immer wieder. Seit dem 2. Mai hat man dort den Skulpturenweg II aufgelegt. Diesmal heißt die Open Air-Ausstellung “Open HeArt” und verteilt sich mehr oder weniger gleichmäßig über die Innenstadt.
Eichstätt ist nicht Venedig und Open HeArt ist nicht die Bienale, (Auch wenn die Eichstätter Innenstadt langsam genauso marode wirkt… aber wenn man morbide sagt, hat das ja wieder Charm. Oder so.) und trotzdem war besonders eines unter den gezeigten Werken, das mich wirklich begeistert hat:

Der Schmetterlingsschwarm - eine Installation von Marc Köschinger. Tausende, aus weißem Papier gestanzte Schmetterlinge in verschiedenen Größen sind in akribischer Handarbeit mit Heißkleber an die Fassade eines verfallenen Hauses und die Reste eines alten VW-Käfers angebracht worden.
Viele Passanten bleiben stehen, gucken sich die Sache an und lassen dann Sätze verlauten wie: “Das ist aber hübsch, gefällt mir” oder auch etwas pragmatischer “Oha, die kriegt man ja nie wieder weg” (die Schmetterlinge). Ich habe mir mit meiner Kamera bewaffnet die Installation bestimmt 20 Minuten angeschaut - und ich hatte Gänsehaut. Nicht wegen den Temperaturen oder dem Nieselregen. Nein, ich finde der Künstler hat Recht wenn er sagt, die weißen Schmetterlinge wirken wie Motten, die über das alte Gemäuer herfallen, es von innen aushöhlen, zerfressen, vernichten um dann zum nächsten Opfer weiter zu ziehen.

Zu viele düstere Gedanken? Vielleicht wegen dem Wetter. Oder, weil ich letztes Jahr schon wieder nicht auf der Bieneale war.
aus der Heimat habe ich von meinem letzten Eichstätt-Urlaub mitgenommen.

Johannisbeeren, Lavendel und Gurken aus dem Garten. Was wird wohl draus entstehen? Johannisbeer-Kokos-Marmelade ist in Planung, Lavendelherzchen o.ä. wollte ich auch schon lange mal wieder nähen und die Gurken werden wohl zum größten Teil als Beißring für Lu draufgehen. Da steht er nämlich in letzter Zeit absolut drauf
… von Lu haben wir also jetzt auch gut überstanden. Ein schöne Feier, mit lieben Leuten und lecker Kuchen. Und natürlich einer selbst gemachten Taufkerze
Beltane - es ist wieder soweit! In der Nacht auf den 1. Mai wird wird überall im Land der Beginn des Sommers gefeiert. In dieser Nacht öffnen sich die Tore zur Anderswelt und es heißt, in diesen Stunden ist der Hauch
vergangener Zeiten deutlich zu spüren…
Wir werden zwar nicht über Feuer springen oder einen Maibaum aufstellen, aber dafür werden wir zum Hexentanz auf Schloss Burg reisen um dort mal wieder Omnia live zu sehen.
Es heißt, dass die Figur der Walpurgis ursprünglich eine heidnische Göttin (die Maikönigin) war, die später christianisiert wurde. Der Feiertag der heiligen Walburga ist allerdings ihr Todestag - der 25. Februar (Der 1. Mai ist der Tag Ihrer Heiligsprechung). Ihre Gebeine ruhen in der Benediktinerinnenabtei von St.Walburg zu Eichstätt.
Am Wochenende hat der Frühling endgültig über die dunkle Jahreszeit gesiegt. Die Blüten und Blätter strotzen nur so vor Energie und Kraft. Himmlisch!

Es gibt eine Vollkommenheit tief inmitten alles Unzulänglichen.
Es gibt eine Stille, tief inmitten aller Ratlosigkeit.
Es gibt ein Ziel, tief inmitten aller weltlichen Sorgen und Nöte.
Bei unserem letzten Besuch in der Heimat hatten wir - außer uns durch sämtliche Osterbraten zu schlemmen, Kuchen durchzutesten und lange auszuschlafen - auch die Gelegenheit etwas Frischluft zu tanken. Dabei haben wir den neu angelegten Eichstätter Skulpturenweg auf dem Frauenberg erwandert. In einer guten Stunde hat man genug Zeit, die einzelnen Kunstwerke, die teilweise von Schulen (usw.), aber auch von Einzelkünstlern gefertigt worden sind, zu betrachten.
Einige haben uns wirklich gut gefallen:

Mal sehen, wie lange sie noch Wind und Wetter trotzen, denn schließlich geht das Festjahr erst im Sommer richtig los…